Terracotta & Morgenlicht
Guten Morgen, heute ist ein schöner Tag.
Die Sonne ist schneller wach als ich.
Cappuccino läuft durch,
die Maschine summt,
ich werde langsam wach.

Im Kopf sortieren sich
die ersten Gedanken des Tages.
Am Tisch vor mir liegt mein Skizzenblock,
zeichne Formen für Blumentöpfe,
nehme einen Schluck aus meiner Tasse und schaue aus dem Fenster.

Meine gefiederten Freunde sind auch schon da,
landen kurz am Frühstücksbuffet draußen.
Ein schneller Blick hinein,
wie ein kleines „Hallo!“ im Vorbeiflug.
Dann sind sie wieder in der Luft.
Für mich wird es jetzt langsam Zeit nach draußen zu gehen.
Heute töpfere ich im Garten,
auf meiner Drehscheibe.

Terracotta Blumentöpfe für meine Küchenkräuter.
Erdig, warm, schlicht.
Klare Formen für das, was später darin wachsen darf.
Ich töpfere Gefäße,
die zu ihren Bewohnern passen.
Terracotta ist atmungsaktiv,
offen und leicht trocknend,
genau richtig für Kräuter, die Sonne
und Luft lieben.

Später setze ich vor allem mediterrane Kräuter wie Rosmarin, Thymian,
Salbei, Oregano und Majoran
in meine Terracotta Töpfe.

Der Töpfervorgang ist für mich nichts Schnelles,
sondern ein leiser Vorgang :
Die Kugel auf der Töpferscheibe zentrieren,
den Moment, in dem der Ton
zur Form wird,
die richtige Dicke der Wand erfühlen, verdichten, loslassen.

Jede Phase hinterlässt Spuren,
die bleiben dürfen,
vom rohen Material bis zum
fertigen Gefäß.

Was es für mich so besonders macht?
Töpfern erdet mich und meine Gedanken…

Moos und Grünspan auf Gartenkeramik,
für mich bekommt sie erst damit richtig Charakter.
Kalkspuren, Patina, kleine Verfärbungen.
Spuren der Zeit, die nichts verdecken, sondern erzählen.

Im Winter stelle ich die Töpfe
geschützt auf, da Terracotta frostempfindlich sein kann.
Ein Loch im Boden und eine Schicht Kies sorgen für eine gute Drainage
und verhindern Staunässe.

Alles ist im Gleichgewicht.
Zwischen Erde, Form und dem leisen Werden, das daraus wächst.