Frühling im Garten

Für ein paar Minuten
setze ich mich auf die Terrasse.

Der Frühling hat inzwischen
deutlich an Temperatur gewonnen.
Die Luft ist weicher geworden
und trägt dieses leise Versprechen
von mehr Zeit im Freien.

Ich schaue in den Himmel,
ohne wirklich etwas zu suchen,
nur um kurz aus dem eigenen Rhythmus auszusteigen.

Die Blätter meiner Kletterrosen
leuchten in der Sonne.
Sie bewegen sich im Wind, rhythmisch, fast wie ein leises Atmen.
Als würden sie miteinander sprechen, ohne Worte, nur über Licht und Bewegung.

Die Vögel kommen auch, wie jeden Tag,
kurz an den Futterstellen und dann
wieder davongeflogen, geschäftig,
ganz in ihrem eigenen Tun.

Der Dill, der als Winteraussaat
im Plastikkanister begonnen hat,
wächst inzwischen im Kübel weiter und ist weit über seinen Rand hinausgewachsen.
Damit steht heute die erste Ernte an.

Der Petersil folgt seinem eigenen Tempo. Blatt für Blatt formt er sich,
wird deutlicher, typischer, als würde er sich selbst allmählich erkennen.


Ich freue mich über Bodendecker,
die jetzt wieder dicht werden und den Boden zurückholen, mit frischem Grün und den ersten Farben dazwischen.

Neben mir steht schon mein Korb
mit dem wichtigsten Gartenwerkzeug:
Schaufel, kleiner Rechen, Handschuhe, Schnur, weicher Draht, Gartenschere
und ein kleines Notizbuch für alles,
was mir auffällt und was zu tun ist-
sonst geht es mir verloren.

In meinem Garten hängen Flechtkörbe, überall dort,
wo Ordnung gebraucht wird,
nicht als festes System
oder starre Struktur,
sondern nah am Ort des Geschehens, direkt in Griffweite.

Für Blätter nach dem Rückschnitt,
für kleine Äste, für alles, was kurz anfällt und sofort wieder verschwindet,
für Unkraut, das plötzlich auftaucht.
Nehme es heraus, solange es noch keine Wurzeln gebildet hat.

Ich nehme meinen Korb wieder in die Hand und gehe langsam hinein,
während der Garten draußen ruhig weiter in seinem eigenen Tun bleibt.

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