Stecklinge

Ein stilles Versprechen.
Vom Beschenkten zum Hüter.
Von Garten zu Garten,
von Freund zu Freund.
Vervielfacht sich,
ohne an Wert zu verlieren.
Du schenkst mir einen Steckling,
Ich pflege ihn, ziehe ihn auf.
Schenke ihn weiter,
unendlich, nachhaltig.
Ein Blatt, ein Trieb, vorsichtig getrennt.
In Wasser oder Erde bildet der Steckling
eigene Wurzeln.
In ihm lebt die Mutterpflanze weiter,
denn sie sind beide ident.
Eine Erinnerung, die Wurzeln schlägt.

Ein nachhaltiger Umgang mit Ressourcen.
Was bei mir ohnehin
beim Rückschnitt anfällt,
stecke ich in einen kleinen Topf
mit Anzuchterde,
manchmal sogar einfach ins Hochbeet.
Gieße und warte ab.
Was brauche ich, um einen Steckling
aus dem eigenen Garten aufzuziehen?
Eine gesunde Pflanze,
Erde, Wasser und ein Gefäß.

Dass nicht jeder Steckling anwächst,
ist ein natürlicher Teil
des Vermehrungsprozesses,
bei dem aber schon eine Handvoll
erfolgreicher neuer Pflanzen
den Aufwand belohnt.
Ein Teil meiner eigenen Gartengeschichte:



So schön, dass ich sie alle
über Stecklinge vermehrt habe.


Denn wer einen Steckling verschenkt,
gibt ein Stück seiner eigenen
Gartengeschichte weiter.

Es ist der schönste Weg,
die Erinnerung in meinem eigenen Garten
weiterwachsen zu lassen.
Die ersten Wurzeln suchen ihren Weg,
lautlos durch das Wasser,
feine gezeichnete Linien.
Auf dem Weg in den Garten
gehe ich an ihnen vorbei. Bleibe stehen,
lasse meinen Blick auf ihnen ruhen.
Als könnte ich sie
beim Wachsen beobachten,
wenn ich nur lange genug hinschaue.

Basilikum in ein Glas mit Wasser.
Alle paar Tage wechsle ich das Wasser,
fülle frisches ein.
Nach ca. 7–10 Tagen bilden sich Wurzeln,
Nach ca. zwei Wochen,
wenn sich ein gutes
Wurzelsystem gebildet hat,
pflanze ich die Stecklinge in die Erde.

Mit ein wenig Geduld
sehe ich nicht nur einen Steckling,
sondern erkenne bereits
einen ganzen Garten.












